Kimmerleinsdorf

Kimmerleinsdorf (so wurde Franzensdorf bis 1836 genannt) wurde um 1308 erstmals erwähnt. Die Ortsbewohner waren zum größten Teil Bauern (um 1830: ein Doppellehner, 32 Ganzlehner, 2 Halblehner, 3 Viertellehner und 8 Kleinhäusler. In den Taufbüchern bis ca. 1800 werden die Bauern auch als „Nachbar“ bezeichnet.)  Ganzlehner und Doppellehner konnten ihren Bauernhof nur mit Hilfe von Knechten und Mägden sowie Saisonarbeitern führen. Auch Halblehner waren zumeist Vollerwerbsbauern. Neben hauptberuflichen Handwerkern verdienten sich auch Viertellehner und Kleinhäusler meist als geschickte Handwerker (Schmied, Wagner, Bäcker, Schuhmacher, Weber, Krämer, Sattler, Frisör, usw.). Außerdem gab es im Ort einen Pfarrer, einen Ober- und einen Unterlehrer und einen Gastwirt. Den Vorsitz in der Gemeinde hatte der Dorf- oder Ortsrichter (meist ein Ganzlehner).

Im Gegensatz zu den Nachbarorten Andlersdorf und Rutzendorf, die seit 1784 zur Pfarre Kimmerleinsdorf gehörten, gab es in Kimmerleinsdorf keine „Herrschaft” (landwirtschaftliche Herrschaftsverwaltung).

Pfarre:
Kimmerleinsdorf war lange Jahre eine Filiale der Pfarre Probstdorf. Am 25. Jänner 1784 bekam Kimmerleinsdorf einen eigenen Pfarrer (Auf Initiative von Kaiser Josef II wurden die Pfarrsprengel in Österreich verkleinert) und wurde zu einer eigenständigen Pfarre mit den zwei Filialen Rutzendorf (bisher auch zu Probstdorf gehörend) und Andlersdorf (bisher bei der Pfarre Orth an der Donau).

Vermerk im Kimmerleinsdorfer Taufbuch

Häuser in Kimmerleinsdorf vor der Zerstörung im Jahr 1830 (lt. Michael Unger, Ortsrichter in Kimmerleinsdorf um 1830):

Haus-NummerHausherr/-besitzerBeruf
1Josef BlattGanzlehner
2Elisabeth PumWitwe Weber und Krämerin
3Johann KrumpSchuhmacher
4Franz KernGanzlehner
5Stephan RaidlGanzlehner
6Anna Maria RaidlWitwe Ganzlehner
7Franz FortunatGanzlehner
8Mathias ZuditschGanzlehner
9Joseph RöhrerGanzlehner
10Franz SimonitschGanzlehner
11Mathias ListGanzlehner
12Leopold HahnGanzlehner
13Martin Adelsberger (bewohnt von Fam. Johann Dienst)Viertellehner
14zu Nr. 6
15Anton ReiterGanzlehner
16Sebastian GindelHalblehner
17Anton ZehentbauerGanzlehner
18Georg ReiterGanzlehner
19Jakob RichterGanzlehner
20Michael RaidlGanzlehner
21Mathias RaidlGanzlehner
22Anton JobstDoppellehner
23Adam KainzWeber und Kleinhäusler
24Lorenz NeumaierGanzlehner
25Michael SommerHalblehner
26Joseph Blatt
27Michael ZehentbauerGanzlehner
28Joseph BayerGanzlehner
29Michael UngerGanzlehner
30Martin ZehentbauerGanzlehner
31Anton MüllnerKleinhäusler
32Mathias MayerGanzlehner
33Johann SchlachthammerGanzlehner
34Leopold AdelsbergerGanzlehner
35Georg ÖhlerGanzlehner
36Mathias WidingerGanzlehner
37Klara KolbingerViertellehner
38Franz MassingerGanzlehner
39PfarrhofPfarrer
40Leopold RadlGanzlehner
41Michl EisenkopfViertellehner
42Leopold WidingerGanzlehner
43Johann SchlesingerGanzlehner
44Joseph UngerGanzlehner
45Joseph Blatt
46Gemeindehaus
47Mathias AnkowitschGanzlehner
48Michael BergerKleinhäusler
49Franz MüllnerWirt
50zu Nr. 18
51Johann PeshaSchmied
52zu Nr. 10
53Martin RätherKleinhäusler
54Georg WindischKleinhäusler
55Mathias RieglerKleinhäusler
56Katharina Lanzl
57Anna Maria Grim
58Andreas ZotzKleinhäusler
59Lorenz SchneckKleinhäusler
60Johann HartlLehrer
61Franz BergerKleinhäusler
62Gemeindehaus
Die Hausnummern aus Kimmerleinsdorf wurden von den Familien nach dem Wiederaufbau übernommen und sind erst nach der Einführung von Straßenbezeichnungen in Franzensdorf nach dem Jahr 1990 geändert worden. Nur das Pfarrheim (Nr. 39) und das Haus Nummer 25 haben ihre Hausnummern behalten.
Rekonstruktion von Kimmerleinsdorf vor der Eisstoßkatastrophe (Winterhochwasser der Donau)
am 1. März 1830 (Fotomontage von Günther Unger)